Feste Brackets, herausnehmbare Spangen, transparente Aligner-Schienen – die moderne Kieferorthopädie bietet heute eine ganze Bandbreite an Behandlungsmethoden. Besonders viele Fragen erreichen uns zur herausnehmbaren Zahnspange: Was kann sie, für wen ist sie gedacht – und wo liegen ihre Grenzen?
Dr. Mohammad Hakim, Facharzt für Kieferorthopädie in Frankfurt, erklärt in diesem Beitrag verständlich, welche Arten herausnehmbarer Zahnspangen es gibt, wie sie das Kieferwachstum beeinflussen und wann eine lose Spange an ihre Grenzen stößt.
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Was ist eine herausnehmbare Zahnspange?
Der Name verrät es bereits: Eine herausnehmbare Zahnspange – oft auch lose Zahnspange oder abnehmbare Zahnspange genannt – kann der Patient selbstständig aus dem Mund nehmen und wieder einsetzen. Das ist der grundlegende Unterschied zur festen Zahnspange mit ihren fest verklebten Brackets.
Doch „herausnehmbar“ ist nicht gleich „herausnehmbar“: Es gibt sehr viele verschiedene Modelle und Bauformen. Manche dieser Geräte werden bei entsprechender Indikation von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen, andere sind privatzahnärztliche Leistungen. Welche Variante in deinem Fall sinnvoll ist und wie es um die Kostenübernahme steht, klären wir individuell in einer persönlichen Beratung.
Feste vs. herausnehmbare Zahnspange – der entscheidende Unterschied
Der wichtigste Unterschied liegt nicht nur im Komfort, sondern in der Funktion:
- Feste Zahnspange: Wirkt rund um die Uhr und kann Zähne präzise in nahezu jede gewünschte Position bewegen – auch stark gedrehte oder verschobene Zähne.
- Herausnehmbare Zahnspange: Schafft Platz, hält Lücken und steuert vor allem das Kieferwachstum. Für die komplette Begradigung der Zähne ist sie nur begrenzt geeignet.
Genau dieser Punkt wird oft missverstanden – deshalb schauen wir uns die einzelnen Spangentypen jetzt genauer an.
Die Arten herausnehmbarer Zahnspangen im Überblick
Grundsätzlich lassen sich lose Zahnspangen in zwei große Kategorien einteilen:
- Spangen für einen einzelnen Kiefer (Oberkiefer oder Unterkiefer) – sie dienen eher der Bewegung einzelner Zähne.
- Spangen für beide Kiefer (Oberkiefer und Unterkiefer gemeinsam) – sogenannte funktionskieferorthopädische Geräte zur Wachstumssteuerung.
1. Die klassische Platte – der Allrounder
Die aktive Platte ist die typischste herausnehmbare Zahnspange, die kleine Kinder im frühen Alter bekommen. Sie kommt zum Einsatz, wenn zum Beispiel Milchzähne zu früh verloren gegangen sind und dadurch Engstände entstehen.
In die Platte sind kleine Dehnschrauben eingearbeitet. Durch regelmäßiges Verstellen – meist einmal pro Woche – bewegen sie die Zähne nach und nach zur Seite, nach hinten oder in die Breite. So entsteht Platz für die nachfolgenden bleibenden Zähne. Die bunten Platten gibt es in vielen Farben, was die Akzeptanz bei Kindern und Jugendlichen deutlich erhöht.
2. Der Lückenhalter
Eine besondere Funktion derselben Spange ist das Halten von Lücken: Geht ein Zahn frühzeitig verloren, sorgt der Lückenhalter dafür, dass der Platz erhalten bleibt und sich nicht durch nachrückende Zähne verengt – bis der bleibende Zahn durchbricht. Ein Lückenhalter, der nur halten soll, muss in der Regel nur nachts getragen werden.
3. Funktionskieferorthopädische Geräte: Aktivator & Co.
Diese Geräte gelten für beide Kiefer gemeinsam und haben ein klares Ziel: das Wachstum des Kiefers zu lenken. Der bekannteste Vertreter ist der Aktivator.
Er definiert die Position des Kiefers neu und setzt gezielte Wachstumsreize. Besonders bei Kindern und Jugendlichen, die noch im Wachstum sind, lassen sich so Fehlentwicklungen wie ein Rückbiss oder eine große Stufe zwischen den Zähnen günstig beeinflussen. Der Clou: Die körpereigenen Wachstumskräfte des Patienten werden aktiv für die Therapie genutzt. Neben dem Aktivator gibt es viele weitere Bauformen, etwa nach Fränkel.
4. Myofunktionelle Therapie mit Silikonschienen
Als Alternative – und bei entsprechender Indikation teils ebenfalls Kassenleistung – kommen myofunktionelle Geräte aus Silikon zum Einsatz. Sie arbeiten anders als der Aktivator: Statt über Druck auf die Zähne regen sie über Übungen und Bewegungen von Lippe und Wange das Wachstum an. Die Steigerung erfolgt nicht über Schrauben, sondern durch den Wechsel auf eine andere Silikonstärke.
5. Die Vorschub-Doppelplatte (Kombinationsgerät)
Die Vorschub-Doppelplatte besteht aus zwei Platten für Ober- und Unterkiefer, die über einen Steg miteinander in Kontakt treten. Sie kombiniert die Bewegung der Zähne mit der Beeinflussung der Kieferposition – ein vielseitiges Kombinationsgerät.
6. Aligner-Schienen als herausnehmbare Variante
Auch die transparenten Aligner-Schienen zählen zu den herausnehmbaren Spangen. Sie werden regelmäßig gewechselt, damit die Zähne kontinuierlich den richtigen Druck und die gewünschte Bewegung erhalten. Anders als klassische lose Spangen sind Aligner darauf ausgelegt, Zähne perfekt gerade zu stellen – die ideale herausnehmbare Lösung, wenn es um ein wirklich gerades Lächeln geht.
Wofür ist die herausnehmbare Zahnspange gedacht?
Zusammengefasst erfüllen lose Spangen vor allem zwei Aufgaben:
- Wachstum beeinflussen: Funktionsgeräte für beide Kiefer (z. B. Aktivator) lenken das Kieferwachstum in die richtige Richtung.
- Zähne im kleinen Maße bewegen & Platz schaffen: Einzelkiefer-Platten bewegen Zähne und halten oder öffnen Lücken.
In beiden Fällen ist eines entscheidend: die aktive Mitarbeit des Patienten.
Die Grenzen: Was eine lose Zahnspange NICHT kann
So nützlich herausnehmbare Spangen sind – sie haben klare Grenzen. Eine komplette kieferorthopädische Begradigung der Zähne ist mit einer losen Spange nicht möglich. Sie kann Platz schaffen und die Natur dabei unterstützen, die Zähne in eine bessere Position zu bringen.
Bei stark gedrehten oder deutlich abweichenden Zähnen ist im Anschluss aber meist eine feste Zahnspange oder eine Aligner-Therapie nötig. Wer sich eine herausnehmbare Lösung für wirklich gerade Zähne wünscht, ist daher mit Alignern besser beraten als mit einer Spange, die nur abends oder nachts getragen wird.
Tragezeit & Mitarbeit: der Schlüssel zum Erfolg
Hier liegt der häufigste Knackpunkt. Während ein reiner Lückenhalter nachts genügt, gilt für aktive lose Spangen – die Lücken öffnen, Zähne bewegen oder das Wachstum steuern – eine Tragezeit von rund 16 Stunden pro Tag.
Wichtig: Die Spange muss länger im Mund sein als außerhalb. Sonst droht der gefürchtete Jojo-Effekt, bei dem sich erreichte Fortschritte wieder zurückbilden. Deshalb steht und fällt der Behandlungserfolg bei jeder herausnehmbaren Spange mit der Mitarbeit.
Pflege & Reinigung der herausnehmbaren Zahnspange
Ein klarer Vorteil gegenüber der festen Spange: Die Reinigung ist deutlich einfacher und angenehmer. So pflegst du deine Spange richtig:
- Reinigungstabs verwenden (spezielle Tabs für herausnehmbare Spangen).
- Mit der Zahnbürste vorsichtig – keine abrasiven Zahnpasten, da sie Kratzer verursachen können.
- Auch mit Spange immer gründlich die Zähne putzen.
Behandlungsablauf: Termine, Druckgefühl & Eingewöhnung
- Kontrolltermine: in der Regel alle zwei bis drei Monate für Feineinstellungen.
- Druckgefühl: Ein leichter Druck auf den Zähnen ist völlig normal und gewünscht – so wirkt die Spange. Schmerzen oder stechende Stellen sind dagegen nicht normal.
- Eingewöhnung: Anfangs kann die Spange nachts schon mal herausfallen. Mit etwas Übung sitzt sie nach kurzer Zeit zuverlässig.
Für wen ist die herausnehmbare Zahnspange geeignet?
Die herausnehmbare Zahnspange ist besonders sinnvoll für Kinder und Jugendliche im Wachstum, bei denen es darum geht, Platz zu schaffen, Lücken zu halten oder das Kieferwachstum zu lenken. Für die finale, präzise Zahnstellung – bei Jugendlichen wie Erwachsenen – kommen anschließend häufig feste Spangen oder Aligner zum Einsatz.
Welcher Weg für dich oder dein Kind der richtige ist, lässt sich nur individuell beurteilen. In einer ausführlichen Beratung als dein Kieferorthopäde in Frankfurt klären wir Möglichkeiten, Grenzen und den passenden Behandlungsplan.
Fazit
Die herausnehmbare Zahnspange ist ein vielseitiges Werkzeug der Kieferorthopädie – ideal, um in jungen Jahren Wachstum zu steuern und Platz zu schaffen. Ihre Grenze liegt in der präzisen Begradigung; dafür sind feste Spangen oder Aligner die bessere Wahl. Entscheidend für den Erfolg bleibt die konsequente Tragezeit von rund 16 Stunden täglich.
Du hast Fragen zur herausnehmbaren Zahnspange für dich oder dein Kind? Vereinbare jetzt deinen Beratungstermin bei Dr. Hakim in Frankfurt – als erfahrener Kieferorthopäde in Frankfurt beraten wir dich ausführlich zu allen Möglichkeiten.





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